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Mount Kinabalu – 2-tägige Wanderung auf den höchsten Berg Malaysias

 Der Mount Kinabalu ist mit einer Höhe von 4.095m nicht nur der höchste Berg Malaysias sondern die höchste Erhebung zwischen Papua-Neuguinea und dem Himalaya-Gebirge. Eine Gipfelbesteigung ist ohne Bergausrüstung möglich, weshalb dies eine beliebte Wanderung ist um Hochgebirgserfahrung zu sammeln. Da ich mich gerne sportlichen Herausforderungen stelle, wollte ich mir die Tour bei unserer Reise nach Borneo nicht entgehen lassen.




Die Tour im Überblick

Eine Wanderung ist nur mit einem Guide erlaubt und mittlerweile nur noch als 2-tägige Tour möglich. Auf ca. 3.300m Höhe gibt es eine Wanderhütte „Laban Rata“ mit Schlafplätzen für 130 Personen. Damit ist die Anzahl an täglichen Permits für die Bergbesteigung begrenzt, weshalb die Tour unbedingt rechtzeitig gebucht werden sollte. Die Wanderung startet auf 1.800m beim Timpohon Gate und geht am ersten Tag auf einer Strecke von ca. 6 km hoch auf 3.300m. Die Wanderung dauert ca. 5h. Nach einer kurzen Nacht geht es früh am nächsten Morgen hoch zum Gipfel in 4.095m auf einer Strecke von nochmal 2,7 km mit einer Dauer von ca. 3h. Am Gipfel wird man dann, mit etwas Glück, mit einer wundervollen Sicht zum Sonnenaufgang belohnt, bevor der Abstieg angetreten wird.

 

Es gibt verschiedene Tour-Anbieter, wobei sich die Touren im Wesentlichen nicht unterscheiden. Ich war mit River Junkie unterwegs (*unbezahlte Werbung, da Markennennung) und damit sehr zufrieden. Das Tour-Paket beinhaltete eine Abholung und Rücktransport von Kota Kinabalu, den Wanderführer, Übernachtung und Vollverpflegung sowie Nationalparkgebühr. Die

Kosten für die Tour haben sich auf einen Aktionspreis von 300€ belaufen (2019).

Mein Abenteuer-Erlebnisbericht

Morgens um 6:30 Uhr werde ich in meinem Hostel in Kota Kinabalu abgeholt und mit 5 weiteren Reisenden zusammen in den ca. 2h entfernten Kinabalu National Park gebracht. Dort werden wir in Dreiergruppen eingeteilt bekommen jeweils einen Guide. Im Park gibt es die Möglichkeit großes Gepäck einzulagern und Wanderstöcke auszuleihen. Besonders letzteres kann ich absolut empfehlen. Unser Guide kümmert sich um ein paar Formalitäten, wie die offizielle Anmeldung im Park und versorgt uns mit einer Lunchbox (Tipp: in der vegetarischen Box waren leckere Sandwiches, Eier, Obst und Müsliriegel, in der normalen Box gab es anstelle des Sandwiches Reis mit kaltem Hühnchen und Brokkoli. Der ein oder andere hat mich um mein Käsesandwich beneidet).

 

Gestartet wird die Wanderung am Timpohon Gate, 1.829m über dem Meeresspiegel. Die erste Tagesetappe führt zur Unterkunft Laban Rata in 3.353m Höhe. Die 1.500 Höhenmeter werden auf einer Strecke von 6km bewältigt, was einer durchschnittlichen Steigung von 25% entspricht. Der Weg ist konstant sehr steil und es gibt kaum ebene Stellen, dafür viele Stufen. Nach jedem Kilometer gibt es einen Rastplatz mit Sitzgelegenheit und Toilette.

 

Die ersten Kilometer verlaufen durch tropischen Regenwald und wir kommen tatsächlich ganz gut voran. Um uns gut zu akklimatisieren legen wir dennoch an bei jeder Gelegenheit eine Verschnaufpause ein. Nach 4km machen wir dann einen längeren Stopp und stärken uns mit unserem mitgebrachten Lunch. Die letzten zwei Kilometer sind dann etwas schwieriger und langsam merken wir, dass wir müde werden. Meine Fitness ist ganz gut, so dass ich mich auf dem letzten Kilometer von der Gruppe trenne und alleine die letzten Meter bis zur Hütte bestreite.

In der Hütte angekommen bin ich positiv überrascht. Ich hätte mit einer sehr einfachen Unterkunft gerechnet, tatsächlich ist Laban Rata sehr gemütlich, die Zimmer größer als erwartet und die Betten total bequem. Vom Zimmer aus haben wir eine tolle Sicht ins Tal und würden bei gutem Wetter den Sonnenuntergang sehen. Leider fängt es kurz nach meiner Ankunft an zu regnen. Wirklich beschweren will ich mich natürlich nicht, denn zur Regenzeit hätten wir durchaus mehr Regen haben können. Tags zuvor hat es wohl den ganzen Tag geregnet und es ist wirklich Glückssache, wenn man das Etappenziel im Trockenen erreicht. In der Hütte gibt es ein leckeres Abendessen am Buffet und ich bin echt überrascht, was alles geboten wird. Vor allem wenn man bedenkt, dass alles zu Fuß dort hoch geschleppt werden muss. Da ist es dann absolut nachvollziehbar,

dass die Getränke ihren entsprechenden Preis haben.

 

Wir gehen schon um 7 schlafen, denn um 2 klingelt der Wecker, damit wir pünktlich um halb 3 zum Gipfel wandern können. Vor der Wanderung gibt es noch ein kleines Frühstück und dann geht es auch schon los. Zum Glück können wir das Gepäck in Laban Rata lagern und nach dem Gipfelaufstieg abholen. Die letzten knapp 3km wandern wir im Dunkeln los, nur mit unseren Stirnlampen und dem Sternenhimmel als Beleuchtung. Der Wanderweg schlängelt sich wie eine Lichterkette den Berg hoch. Die kurze Nacht, die Kälte, die müden Beine vom Vortag und die dünne Luft machen den Aufstieg dann doch schwerer als gedacht.

 

Nach einem Kilometer lassen wir die Bäume und Sträucher hinter uns und wandern über Felsen. Zum Teil können wir uns nur noch am Seil entlang hangeln. Das verlangt mir einiges ab, denn der Boden ist rutschig, das Seil nass und eisig kalt und die Steigung strengt extrem an. Da kommen dann tatsächlich die ersten Zweifel, ob diese Wanderung eine gute Idee für mich war. Wir kommen nur sehr langsam voran und legen alle paar Hundert Meter eine Verschnaufpause ein. Gefühlt ist der Weg endlos lang und besonders die letzten 200m ziehen sich wie Kaugummi und erfordern schon ein wenig Geschick beim Klettern. Doch dann kommt die Belohnung: genau rechtzeitig zum Sonnenaufgang erreichen wir den Low’s Peak und können die atemberaubende Aussicht über der Wolkendecke in das Tal genießen. Wir haben es tatsächlich geschafft und haben den 4.095m hohen Berg bestiegen. Eine richtige Glückswelle durchströmt mich und ich empfinde extreme Dankbarkeit dafür, dass mein Körper das mitgemacht hat.

 

Nach ein paar Fotos am Gipfel und einigen Minuten Aussicht genießen, mache ich mich dann losgelöst von der Gruppe an den Abstieg. Die Temperatur ist nur knapp über dem Gefrierpunkt und obwohl ich warm angezogen bin, wird mir eisig kalt und ich werde total müde. Da ist die Verlockung groß, vor dem Frühstück in Laban Rata noch mal eben ins Bett zu kriechen. Im Nachhinein betrachtet war die Idee alleine bis zur Hütte zu wandern echt nicht schlau, denn ich muss hier deutlich aus meiner Comfort Zone raus und komme an

meine Grenzen. Ich empfinde den Abstieg als sehr anstrengend, rutsche mehrmals auf den nassen Steinen aus und krieche stellenweise auf dem Hintern den Berg hinunter. Jetzt im Nachhinein finde ich das ganz amüsant, aber während der Wanderung wollte ich einfach nur noch von diesem Berg runter. Leider konnte ich dadurch kaum die schöne Aussicht Genießen.

In Laban Rata angekommen gönne ich mir dann tatsächlich einen Power Nap bis die anderen der Gruppe eintreffen und wir uns gemeinsam an das reichhaltige Frühstücksbuffet machen. Das ist total lecker und ich fühle mich danach gut gestärkt um die letzten 6km bis zum Timpohon Gate zu Wandern. Bei diesem Abstieg bin ich sehr froh, dass ich Wanderstöcke dabeihabe, denn so kann ich mich gut abstützen und meine Knie entlasten. Ich komme zwar nicht schnell voran, aber dafür einigermaßen Gelenk schonend. Leider ist das Wetter nicht mehr ganz auf unserer Seite und wir kommen in den Regen. Da bin ich sehr froh an meinem Poncho. Viele Pausen lege ich nicht ein und so komme ich nach 3,5h am Timpohon Gate an. Dort wartet schon ein Fahrer und bringt mich zurück

in den Nationalpark wo es ein Mittagessen gibt und ich mir mein Bergsteiger-Zertifikat abholen kann, bevor wir den Rückweg nach Kota Kinabalu antreten.

 

Im Nachhinein betrachtet war die Wanderung super. Auch wenn ich wirklich an meine Grenzen gekommen bin, war die Tour mit meinem Fitnesslevel machbar. Das Glücksgefühl darüber, den Gipfel erreicht zu haben, lässt fast alle Anstrengungen vergessen.

Empfehlung für die Packliste

Für die Wanderung empfiehlt es sich, einen kleinen, leichten Tagesrucksack mitzunehmen und das große Reisegepäck entweder im Hotel oder im Nationalpark zu lagern. In Laban Rata werden warme Decken, Kissen und Handtücher zur Verfügung gestellt. Außerdem gibt es Latschen. Duschen sind vorhanden, allerdings mit sehr kaltem Wasser, weshalb wir uns in der Gruppe für Katzenwäsche entschieden haben.

 

Hier ist meine Packliste für die Wanderung:

  • Bequeme Wanderkleidung sowie Wechselkleidung
  • Warme Funktionsjacke (ich war mit dünner Daunenjacke und winddichter Regenjacke ganz zufrieden)
  • Regenponcho und Regenschutz für den Rucksack
  • Wanderschuhe mit Profil
  • Wanderstöcke (können ausgeliehen werden)
  • Stirnlampe
  • Handschuhe, Mütze, Schal
  • Insekten- und Sonnenschutz
  • Erste-Hilfe-Kit
  • Toilettenartikel: Zahnbürste & Zahnpasta, event. Duschseife
  • Snacks (Energie-Riegel, Obst, etc.)
  • Ausreichend Wasser (1,5-2l)
  • Etwas Bargeld für Getränke / Trinkgeld / Urkunde

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Hier schreibe ich, Steffi, von meinen kleinen und größeren Reisen in der Heimat und rund um die Welt. Ich habe nie meinen Job gekündigt um die Welt zu bereisen, aber ich nutze jede Gelegenheit unseren schönen Planeten zu erkunden. Auf travel and other stories zeige ich euch, dass man sich auch mit Vollzeitjob kein Abenteuer entgehen lassen muss