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Von Vancouver nach Calgary - mein Roadtrip-Abenteuer

Im September 2019 konnte ich mir einen großen Wunsch erfüllen. Es ging nach 8 Jahren zurück nach Kanada, in das Land, in dem ich nach dem Abitur von 2009 an für 20 Monate gelebt und auf einer Pferdefarm gearbeitet habe. Neben dem Besuch bei meinen Freunden in meiner zweiten Heimat habe ich diese Reise mit einem Roadtrip in den Rocky Mountains verbunden. 10 Tage lang war ich unterwegs von Vancouver nach Calgary mit vielen Stopps in den Nationalparks von British Columbia und Alberta, bevor ich zum großen Wiedersehen zurück nach London, Ontario gekommen bin. Dieser Reiserückblick ist ein wenig anders als meine bisherigen Blogposts und hat noch mehr persönliche Komponenten. Vielleicht könnt ihr durch meinen Abenteuerbericht ein wenig von diesem faszinierenden Land mit aufsaugen.



Tag 1 - 3: Vancouver

Nach knapp 10h Flug (Direktflug Frankfurt - Vancouver) erreichte ich meine Destination. Die Einreise verlief unerwartet einfach, da hat sich wohl mit der Einführung des eTA einiges getan. Da ich nur mit Handgepäck unterwegs war, konnte ich mich direkt auf den Weg zur Skytram machen und damit nach Downtown fahren. Dort konnte ich dann glücklicherweise schon frühzeitig in meinem Hostel einchecken und erst einmal 1-2 Stündchen entspannen, bevor die Stadt erkundet wurde. Es war bewölkt und regnete leicht, aber davon ließ ich mich nicht abhalten. Mein Hostel war direkt in der Stadt und so konnte ich in kurzer Zeit schon einiges erleben. Ich machte mich auf den Weg an die Marina und schlenderte durch Gastown und zur berühmten Steam Clock, sowie weiter nach Chinatown. Zum Dinner entdeckte ich ein nettes Restaurant in Gastown. Etwas gerädert vom Jetlag machte ich mich wieder zeitig auf den Weg zum Hostel und ging früh schlafen.

 

Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg zum Stanley Park mit ein paar Leuten aus dem Hostel. Obwohl das Wetter nicht ganz so gut war, hatten wir viel Spaß und konnten die Natur genießen. Wir sind viel gewandert, zu den Totem Poles, Lighthouse, Lions Gate Bridge und zum Beaver Lake. Nachmittags habe ich mit einem Mädel aus dem Hostel gekocht und abends noch eine Craft Beer Tasting Tour (auf eigene Faust) gemacht. Tags darauf stand eine Free Walking Tour an. Auf der 3,5h Tour haben wir viel über die Stadt kennen gelernt, wobei wir überwiegend in Gastown und Chinatown unterwegs waren. Unser Guide war genial, die Tour mit Toonie-Tours kann ich von Herzen empfehlen (*unbezahlte Werbung*). Während der Tour waren wir auch kurz in einem Pub und haben das lokale Bier getestet - auch mal eine neue Erfahrung.

Nach der Tour machte ich mich auf den Weg nach Granville Island um am Granville Market shoppen zu gehen. Das ist eine tolle Indoor-Markthalle, in der es so ziemlich alles zu kaufen gibt, was man sich nur vorstellen kann. Das lokale Obst war auch super lecker. Später stand dann noch eine ca. 4h Whale Watching Tour mit dem Zodiac an. Was für ein Erlebnis! Trotz Thermoanzügen und Skibrillen wurden wir richtig nass auf der spritzigen Fahrt, aber dafür wurden wir auch mehr als belohnt. Wir haben insgesamt 5 Buckelwale gesehen, davon sogar 2 Jungtiere. Auch wenn wir gut Abstand hielten (bestimmt 100 Meter), haben wir die Tiere lange und ausgiebig beobachten können. Orcas haben wir leider keine gesehen, darauf hatte ich ja ein bisschen spekuliert. Aber das Erlebnis war auch so einmalig. Auf dem Rückweg nach Vancouver hatten wir nicht nur eine mega schöne Sicht auf die Stadt, wir haben tatsächlich auch noch ganz viele Seehunde gesehen. Die sind ja auch sowas von goldig. Abends gab es dann noch ein letztes Craft Beer Tasting und dann war meine Zeit in Vancouver auch schon wieder um. Anfangs fand ich 2 1/2-Tage für die Stadt recht großzügig, jetzt im Nachhinein hätte ich dort sicherlich auch noch 2-3 Tage länger bleiben können. 

 

Am nächsten morgen machte ich mich nach dem Frühstück direkt auf den Weg zum Flughafen um meinen Wagen abzuholen. Damit sollte der Roadtrip endlich starten.

Tag 4-5: Von Vancouver nach Clearwater - Wells Gray Provincial Park

Am Montag morgen hole ich meinen Wagen am Flughafen in Vancouver ab. Hier gibt es ein nettes Upgrade und anstelle eines Honda Accords bekomme ich einen Mitsubishi Outlander - und ich würde fortan jederzeit einen 4x4 buchen für die Rockies. Mein Etappenziel ist 500km entfernt und ich entscheide mich, so gut es geht durchzufahren. Tatsächlich mache ich nur eine kleine Pause und erreiche Clearwater dann schon am frühen Nachmittag. Dort suche ich direkt das Visitor's Center auf und informiere mich ausgiebig über die vielen Möglichkeiten. Eine nette Mitarbeiterin gibt mir eine Karte für den Wells Gray Provincial Park und markiert mir direkt ein paar Wanderungen, die meinen Vorstellungen entsprechen. Dann gehts ins Gästehaus, in das ich mich auf Anhieb verliebe (Aussiedlerhof, mit Ponys und Ziegen im Garten).  Da ich ich noch fast gar nicht bewegt habe an dem Tag fahre ich noch in den Park hinein und mache eine erste kleine Wanderung zu den Spahat Falls und dem Viewpoint. Beides total beeindruckende Ziele, abends hört es dann auch auf zu regnen und ich bin so unendlich dankbar, dass ich diese Reise antreten konnte.

 

Den nächsten Tag habe ich dann komplett im Wells Gray Provincial Park verbracht und dort einige Wanderungen unternommen. Mein Highlight war wohl der South Rim Trail, von der man eine schöne Sicht auf die 4. größten Wasserfälle Kanadas , die Helmcken Falls hat. Von Wasserfällen hatte ich noch nicht genug, sodass ich nach einem Abstecher zum Green Mountain Tower, einem Lookout von dem man den halben Provincial Park überblicken kann, noch zu den Dawson Falls und später zu den Moul Falls gewandert bin. Das Wetter war leider etwas durchwachsen, sodass ich bei der letzten Wanderung nochmal so richtig nass wurde. Aber egal, da die Dämmerung bereits einsetzte machte ich mich auf den Weg zu meiner gemütlichen Unterkunft und konnte nach den vielen Wanderungen super gut einschlafen. Am nächsten morgen ging es dann auch schon weiter.

Tag 6: Von Clearwater nach Jasper - unterwegs im Nationalpark

Am nächsten Morgen ging es früh los, denn es standen wieder 350km Fahrt an. Leider wurde meine Fahrt schon nach einer Stunde aufgrund einer Vollsperrung unterbrochen, Ausweichstraßen sucht man in den kanadischen Rockies vergeblich. Daher habe ich im gedreht und einen kleinen Stopp/Spaziergang in Blue River eingelegt. Als ich es dann knapp 2h später nochmal probierte, war die Straße wieder frei. Mein Zeitplan war dadurch komplett gesprengt, aber da steckt man eben nicht drin. Dafür wurde ich auf der weiteen Strecke mit einigen Tierbeobachtungen belohnt: 2 Schwarzbären und ein Koyote. Super cool, der eine Schwarzbär ist einfach mal ganz gemütlich am Straßenrand entlang spaziert.

 

Nachdem mir das im Wells Gray Provincial Park so gut geholfen hat, habe ich in Jasper zunächst das Visitor's Center aufgesucht und mich beraten lassen, was ich in der fortgeschrittenen Zeit noch alles machen könnte. Da ich die Nacht in einem Wilderness Hostel, ohne Strom und fließendes Wasser verbringen sollte, habe ich mich im Supermarkt mit allerlei Proviant eingedeckt, bevor ich dann Richtung Maligne Canyon fuhr. Dort entschied ich mich für die große Wanderung und hatte dabei eine schöne Zeit. Der Blick auf das Tal war super, und stellenweise hatte ich den Wald und die Landschaft ganz für mich alleine. Näher bei den Brücken war dann doch auch mehr los. Spontan entschied ich dann doch noch weiter an den Maligne Lake zu fahren (nochmal 50km einfache Fahrt). Und das war wieder einmal eine hervorragende Idee. Schon die Fahrt war traumhaft mit tollen Herbstfarben und Bergen, soweit das Auge reicht. Das Highlight waren dann sicherlich die insgesamt 6 Elche (3 Männchen, 2 Weibchen und ein Baby) die ich auf dem Weg von und zum Maligne Lake beobachten konnte. Was für ein Tag! Auch der Maligne Lake übertraf alle Erwartungen und ich war so froh, doch noch gefahren zu sein. Am frühen Abend war fast gar nichts los, das Wasser war total ruhig und die tiefstehende Sonne zauberte ein traumhaftes Licht. Nach einem gemütlichen Spaziergang mit Hirschbeobachtung machte ich mich dann auch schon auf den Weg zu meiner Unterkunft, mit kleinen Fotostopps an Lake Medicine und am Athabasca River. Auf dem Weg zu meinem Hostel konnte ich schon die ersten 30km auf dem Icefields Parkway fahren, wunderschön im rosafarbenen Abendhimmel. Kurz vor dem Schlafen gehen gab es dann nochmal ein absolutes Highlight und zwar den Blick in den Sternenhimmel. Der Jasper Nationalpark gehört zu den dunkelsten Orten überhaupt und ist daher perfekt zur Sternenbeobachtung geeignet, da es hier kein künstliches Licht gibt und die nächstgelegene Stadt sehr weit entfernt ist. Was für ein Spektakel. So viele Sternschnuppen und tanzende Sterne. Ich hätte stundenlang in den Himmer starren können, wenn es nicht auf fast 0°C abgekühlt hätte.

 

Tag 7: Roadtrip-Träume werden wahr - auf dem Icefields Parkway

Der nächste Tag war dann noch fast krasser als der Vortag. So viele unvergessliche Eindrücke entlang des Icefields Parkway. Tatsächlich hatte ich im Vorfeld nur die Unterkünfte gebucht und mich ansonsten kaum informiert, d.h. jeden Abend saß ich mit Reiseführer, Karte und Handy in der Hand da und habe geschaut, was ich am nächsten Tag so alles machen könnte. Dabei waren diverse Broschüren aus den Visitor's Centern (oder die im Hostel bereitgestellt wurden) auch eine sehr große Hilfe. Die Fahrt entlang des Icefields Parkway habe ich mehr oder weniger während der Fahrt erst geplant, also richtig spontan. Um kurz nach 7 hatte ich die Scheiben gekratzt und saß im Auto und erfreute mich an meiner Sitzheizung. Mein erster Stopp war gerade mal 5 Minuten entfernt und zwar bei den Athabasca Falls. Wunderschön, vor allem im morgendlichen Licht mit leichtem Nebel. Dort wanderte ich ein Stück entlang des Canyon und freute mich über die Ruhe. Mit Wasserfällen ging es an meinem zweiten Stopp, den Sunwapta Falls direkt weiter. Vor meinem nächsten richtigen Stopp habe ich bestimmt noch 3mal an diversen Parkplätzen angehalten um die unvergessliche Landschaft zu genießen. Die Fahrt war auch echt entspannt auf der breiten, geraden Straße. Am Vormittag erreichte ich dann das Columbia Icefield und den Athabasca Gletscher. Dort machte ich eine Wanderung zum Fuße des Gletschers. Hier stehen überall Schilder, die zeigen wohin der Gletscher in welchem Jahr gereicht hat. Puh! Ganz schön heftig, wieviel vom Ewigen Eis in den letzten Jahren weggeschmolzen ist, im Schnitt 5m pro Jahr. 

Mein nächster Stopp war ganz spontan. Als ich das Schild zum Mistaya Canyon entdeckte wurde ich neugierig, hielt an und informierte mich am Parkplatz an der Tafel. Ich musste gar nicht groß überlegen und bin dann direkt losgewandert. Das hat sich auch echt gelohnt, der Canyon ist toll, ganz besonders mit den schneebedeckten Berggipfeln im Hintergrund. Weiter ging es an den Lake Peyto. Dort wanderte ich zum Aussichtspunkt und wurde mit dem wohl schönsten Anblick überhaupt belohnt. Wie perfekt türkis kann ein See eigentlich sein? Am Bow Lake machte ich dann noch kurz Mittagpause (um halb 3) bevor ich mich dann etwas zusammenriss und auch mal eine Stunde am Stück durchgefahren bin. 

Meine nächsten Ziele lagen im Yoho Nationalpark. Hier fuhr ich zunächst zu den Takakkaw Falls, den zweithöchsten Wasserfällen in Kanada. Die Fahrt war sehr abenteuerlich, würde ich wohl auch nur mit dem 4x4 befahren. Aber am Ziel wird man belohnt. Nach einer etwa 20minütigen Wanderung werden die Wasserfälle erreicht und der Anblick ist tatsächlich spektakulär. Auch wenn ich in den letzten Tagen so viele Wasserfälle gesehen habe, kann ich immer noch nicht genug davon bekommen. Mein nächster Stopp in Yoho war der Emerald Lake. Der Name ist Programm, der See ist tatsächlich smaragdgrün. Nachdem ich den ganzen Tag keine Zivilisation gesehen habe, war mir am Emerald Lake schon ein wenig zuviel Trubel mit einer Hotelanlage und Souvenirshops. Schön war es trotzdem und meinen Spaziergang am Ufer entlang konnte ich auch sehr genießen. Leider hat es sich dann etwas zugezogen, sodass ich wieder zurück zum Auto bin. Auf dem Weg zum Hostel in Golden folgte ich noch kurz dem Schild zur Natural Bridge. Abends habe ich dann gekocht und einen ruhigen Abend im Hostel verbracht.

 

 

Eigentlich wollte ich von Golden aus noch weiter in den Glacier National Park fahren. Da ich die nächsten Nächte in Banff verbringen wollte und der Glacier NP in die entgegengesetzte Richtung liegt, habe ich mich dann aber spontan dagegen entschieden und beschlossen am nächsten Tag direkt nach Banff zu fahren. Dadurch war die nacht in Golden ein ziemlicher Umweg, aber ich bin froh, dass ich hier auf mein Bauchgefühl gehört habe und die Route angepasst habe.

Tag 8-11: Von Golden nach Banff mit Lake Louise

Eigentlich wollte ich früh los um auf dem Weg nach Banff einen Stopp in Lake Louise und Lake Moraine einzulegen. Tatsächlich habe ich total verschlafen und kam dann erst gegen halb 10 in Golden los. In Lake Louise angekommen habe ich fast 1h lang nach einem Parkplatz gesucht und dann etwas geknickt aufgegeben und bin dann direkt weiter nach Banff gefahren. Dort konnte ich noch nicht im Hostel einchecken, konnte aber zumindest das WLAN nutzen um nach einem Alternativprogramm zu recherchieren. Mein erster Plan Reiten zu gehen ging leider auch nicht auf, aber ich kann ja auch spontan sein. So beschloss ich, an die nahegelegenen Seen Two Jack, Lake Minnewanka und Johnson zu fahren und mich am späten Nachmittag der Hostelwanderung auf den Sulphur Mountain anzuschließen. Am schönen und sehr idyllisch gelegenen Lake Two Jack packte ich mein Mittagessen aus, am Lake Minnewanka verbrachte ich dann ein wenig mehr Zeit und machte eine kleine Wanderung am Seeufer. Der Stopp am Lake Johnson war dann recht kurz, aber auch sehr schön. Der See ist bis auf einen Parkplatz gar nicht touristisch erschlossen und entsprechend entspannt und ruhig war es dort. Außer meinem waren auch nur 2 weitere Autos am Parkplatz. Da es mittlerweile Zeit zum Einchecken war fuhr ich zurück zum Hostel. Nach einer kurzen Pause sollte dann die Wanderung starten. Leider stellte sich dann recht schnell heraus, dass ich die einzige Teilnehmerin dieser Wanderung sein sollte, weshalb die Tour dann nicht stattfinden konnte. So leicht lasse ich mich aber nicht entmutigen und nach einem kurzen Gespräch mit dem eigenen Guide, einer Einführung in die Nutzung von Bear Spray und dem Hinterlassen meiner Konaktdaten, für den Notfall, machte ich mich dann ganz alleine auf den Weg, den Mount Sulphur zu besteigen. Die Wanderung ist nur ca. 5,3km lang, aber durch die vielen Höhenmeter mit einer Zeit von gut 2h angegeben. Die Wanderung war sehr schön, aber auch anstrengend, da ich recht zügig unterwegs war. Die Aussicht auf Banff war schon toll. Oben auf dem Berg angekommen war ich dann erstmal sehr überrascht, was dort alles geboten wird. Auf den Berg führt eine Gondel und entsprechend waren sehr viele Menschen oben auf dem Berg (bei der Wanderung habe ich vllt. 10 Personen getroffen, oben waren Hunderte). Die Gondelstation ist ein topmodernes dreistöckicges Gebäude mit einem Restaurant und einem Starbucks, sowie einem Souvenirshop. Damit hätte ich gar nicht gerechnet. Außerdem gibt es einen sehr gut ausgebauten Pfad, der direkt zur Bergspitze führt. Die 360° Aussicht ist toll und die Wanderung wird mehr als belohnt. Herunter ins Tal ging es dann mit der Gondel. Diese ist übrigens ab 19 Uhr kostenlos, davor bezahlt man 64$ (2019). 

Am nächsten morgen machte ich mich früh auf den Weg nach Lake Louise. Tatsächlich war ich schon vor 7 dort, musste aber schnell feststellen, dass es keine Chance mehr gab an Lake Moraine zu parken (anscheinend waren die Parkplätze bereits um 5:10 Uhr alle belegt). Zum Glück sah es am Lake Louise noch besser aus und ich konnte noch einen Parktplatz ergattern. Nach einem schnellen Frühstück im Auto machte ich mich auf den Weg an den See und war sofort begeistert von dem traumhaften Anblick. Es war noch dunkel, der Himmer war tiefblau und die langsam aufgehende Sonne strahlte die Berge im Hintergrund an, sodass diese leuchteten - und das ganze dann noch reflektiert im stillen Wasser. Wunderschön! 

Da die Shuttle-Busse zu Lake Moraine erst in ein paar Stunden fahren entscheide ich mich, wieder einmal spontan, dafür zum Tea House zu wandern. Eine schöne Wanderung, entlang des Lake Louise, dann durch den Wald, vorbei am Mirror Lake, oben am Berg bei Lake Agnes. Die Wanderung dauert knapp 90 Minuten und obwohl ich so früh dran war, waren die Sitzplätze im Tea House schon sehr begrenzt. Bei einer heißen Schoki mit Marshmallows lernte ich eine Italienerin kennen, die ebenfalls alleine unterwegs war. Sie hat mich dann auch dazu gebracht noch weiter zum Little Beehive zu wandern. Das war eine super Idee, denn die Aussicht war sensationell. Ein absolut gelungener Morgen.

 

Wieder zurück bei Lake Louise habe ich dann mein Glück mit dem Shuttle zu Lake Moraine probiert. Da stand ich dann tatsächlich eine Stunde in der Schlange nur um ein Ticket für in 3h zu bekommen. Total verrückt! Da war ich dann auch echt kurz vor dem Aufgeben, vielleicht sollte Lake Moraine einfach nicht sein für mich. Dann habe ich aber recht zufällig von der Standby-Schlange erfahren. Immer wenn ein Shuttle nicht komplett voll ist, dürfen Menschen aus der Schlange mitfahren. Ich habe mein Glück probiert und saß tatsächlich nach einer weiteren halben Stunde im Bus. Da habe ich mich dann schon gefragt, ob sich dieser ganze Aufwand lohnt. So viel Stress, nur um einen See zu sehen. Diese Frage wurde schnell beantwortet als wir Lake Moraine erreichten und ich total geflasht vom Anblick war. Super schön idyllischer, türkisfarbener See, mit 10 schneebedeckten Berggipfeln im Hintergrund. Das hat was, wirklich. Nachdem ich mich an den Anblick gewöhnt hatte, beschloss ich eine Wanderung einzulegen. Auch hier gibt es Tafeln, die einen Überblick über die verschiedenen Wanderungen, voraussichtliche Dauer und Schwierigkeit informieren. Da ich nur noch 3,5h Stunden Zeit hatte bis der letzte Shuttle zurück ins Tal fuhr, entschied ich mich für eine mittlere Wanderung zum Larch Valley mit einer angegebenen Dauer von 3h, mit der Option noch den schweren Part zum Sentinel Pass (Dauer 4,5-5h) spontan dazu zu nehmen. Wirklich daran geglaubt habe ich nicht, habe aber dennoch versucht ein zügiges Tempo zu wählen. Der erste Teil der Wanderung war noch nicht so überzeugend, es war extrem voll und teilweise schwierig auf den engen Wegen zu überholen. Nach wenigen Kilometern wurde es aber immer leerer und man konnte auch mal ein paar Minuten auf dem Weg bleiben ohne Ausweichen zu müssen. Im Larch Valley erkannte ich dann, woher der starke Besucheransturm rührte. Die Lärchen präsentierten sich in den perfekten Herbstfarben - Indian Summer vom Feinsten. Später erfuhr ich, dass es nur sehr wenige Wochenenden gibt, an denen das Farbenspiel im Larch Valley zu beobachten ist und deshalb auch der Anstrum so groß ist. Verständlich, und ich freue mich, völlig zufällig mal wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Das Larch Valley sollte aber noch nicht mein letztes Ziel sein. Da ich zügig unterwegs war und mein Ehrgeiz geweckt war, wollte ich unbedingt noch auf den Sentinel Pass steigen, auch wenn das letzte Teilstück ganz schön schwierig war und ich vielleicht nicht die beste Ausrüstung hatte. Lange Rede kurzer Sinn, ich habe es hoch geschafft und wurde wieder einmal mit einer wunderbaren Aussicht belohnt. Tatsächlich blieb sogar genug Zeit, diese Aussicht zu genießen und mit einem Streifenhörnchen Freundschaft zu schließen. Der Abstieg ins Tal war dann deutlich einfacher.

Tatsächlich war ich nach guten drei Stunden schon zurück, sodass ich noch Zeit hatte, mich an den See zu sitzen und die Aussicht zu genießen. Nach den beiden Wanderungen war die kleine Verschnaufpause auch echt nötig. Abends in Banff ging ich dann früh Schlafen und staunte nicht schlecht über die Anzeige auf meinem Fitbit: danach bin ich wohl 28km gewandert und habe dabei ca. 1.500hm überwunden. Da darf man dann auch mal müde sein.

Mein letzter voller Tag in Alberta war vollgepackt mit sportlichen Aktivitäten. Morgens beim Frühstück lernte ich eine Brasilianerin kennen und spontan beschlossen wir nach Canmore zu fahren um zu den Grassi Lakes zu wandern. Canmore ist eine gute halbe Stunde von Banff entfernt und befindet sich schon außerhalb des Nationalparks. Um zu den Grassi Lakes zu kommen gibt es zwei Wanderwege, den einfachen und den schwierigen. Wir haben uns für den schwierigen entschieden und waren sehr glücklich mit der Wahl. Auch wenn das Gelände teilweise etwas unwegsam war, wurden wir mit einer tollen Aussicht auf Canmore belohnt. Kurz vor unserem Ziel erreichten wir dann noch einen Viewpoint zu spektakulären Wasserfällen. Die Grassi Lakes mit ihren verschiedenen blau und grün Tönen sind etwas ganz besonderes und der Anblick lohnt sich allemal. Wir sind noch ein Stück weiter gewandert um das Tal von ganz oben überblicken zu können. Die Wanderung geht über Geröll und ist mit steilen Hängen bei Kletterern sehr beliebt.

 

Zurück in Banff machte ich mich auf den Weg zu einem Reiterhof. Dort hatte ich einen 2h-Ausritt gebucht, entlang am Bow RIver und mit einer kleinen Kletterpartie auf den Sulphur Mountain (natürlich nicht ganz hoch). Mein Pferd, ein Quarter Horse Wallach namens Hoover hat das super gemacht und ich hatte viel Spaß, auch wenn die Tour doch touristischer war als gedacht und die Reitwege schon sehr runter geritten waren. Landschaftlich war die Strecke sehr reizvoll und ich musste öfters das Handy aus der Tasche graben um Fotos zu machen. Gegen Ende der Tour entdeckten wir noch eine große Herde Wapiti-Hirsche.

 

Gegen späten Nachmittag schloss ich mich noch einer Hostel-Aktivität an: Stand-up Paddling auf dem Bow River. Das wollte ich schon ewig ausprobieren und konnte mir die Chance dann natürlich nicht entgehen lassen. Zugegebenermaßen hatte ich etwas Bedenken, denn ich bin nicht immer geschickt und das Wasser war mega kalt. Aber die Bedenken waren komplett unbegründet. Nach den ersten Metern auf den Knien habe ich mich auf mein SUP gestellt und mich direkt wohl gefühlt und war mit Spaß bei der Sache. Unsere Tour am Fluss entlang war sehr schön, wir konnten einige Wasservögel beobachten und die Kulisse mit den Bergen und der tiefstehenden Sonne war traumhaft. Das war ein toller Abschluss für meinen Solo Roadtrip in den kanadischen Rocky Mountains.

Tag 12-17: Zurück in London, Ontario

Am nächsten morgen nahm ich noch ein Mädel aus England mit zum Flughafen nach Calgary. Die ganze Zeit schaute ich wehmütig in den Rückspiegel um mich von den Rocky Mountains zu verabschieden. In Calgary gab ich mein Auto ab und wartete auf meinen Flug nach London, Ontario. Es sollte dorthin zurückgehen, wo an einem verschneiten Tag im Aptil 2009 meine große Kanadaliebe entfachte. Ich war den ganzen Tag total aufgeregt, der letzte Besuch bei meinen Freunden und früheren Kollegen war schließlich schon 8 Jahre her. Meine Anspannung fiel dann erst ab, als ich die bekannten Gesichter am Flughafen in London sah. Bei der Ankunft auf der Farm fühlte ich mich sofort wieder wie zuhause. Auch wenn sich vieles verändert hat, war es doch wie immer. Genau so, wie ich es damals 1,5 Jahre lang, täglich erleben durfte. Die Zeit verbrachte ich mit vielen Besuchen von Freunden, mit endlosen Gesprächen, die sich anfühlten als wären keine 8 Jahre sondern maximal 2 Wochen seit meinem letzten Besuch vergangen. Ich konnte wieder in die Pferdewelt eintauchen und in den schönsten Erinnerungen schwelgen. Diese 5 Tage vergingen wie im Flug und ich wünschte ich hätte noch mehr Zeit gehabt in meiner zweiten Heimat.

 

Da mein Rückflug nach Deutschland erst am Abend ging, machten wir auf dem Weg zum Flughafen nach Toronto noch einen Abstecher zu den Niagara-Fällen. Auch wenn das nicht mein erster Besuch bei den berühmtesten Wasserfällen in Nordamerika war und das Wetter an diesem Tag auch nicht auf unserer Seite war, hat es sich total gelohnt. Die Niagara-Fälle sind nach wie vor total beeindruckend und ich bin einmal mehr von diesen gewaltigen Wassermassen. Der Abschied am Flughafen fällt mir schwer und ich bin absolut überzeugt, dass mein nächster Besuch keine 8 Jahre auf sich warten lassen wird.

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Kommentare: 4
  • #1

    Travelsanne (Samstag, 26 Oktober 2019 00:18)

    Wirklich fantastische Bilder! Die Route haben wir vor 2 Jahren auch gemacht. Allerdings von Calgary nach Vancouver. Danke fürs Mitnehmen!
    Liebe Grüße von Sanne

  • #2

    Steffi (travelandotherstories) (Samstag, 26 Oktober 2019 12:05)

    Vielen lieben Dank Sanne! Sehr schön, das war auch bestimmt wunderbar, oder?

    Viele Grüße und eins schönes Wochenende,
    Steffi

  • #3

    Miri (Montag, 28 Oktober 2019 07:51)

    Hi Schwesterchen, deine Reise liest sich toll und ich werde bei den wunderschönen Bildern etwas neidisch :)

  • #4

    Edelmama (Dienstag, 29 Oktober 2019 23:53)

    Bin total fasziniert von Kanada und deiner mitreißenden Reisebeschreibung und natürlich der vielen tollen Fotos

Hier schreibe ich, Steffi, von meinen kleinen und größeren Reisen in der Heimat und rund um die Welt. Ich habe nie meinen Job gekündigt um die Welt zu bereisen, aber ich nutze jede Gelegenheit unseren schönen Planeten zu erkunden. Auf travel and other stories zeige ich euch, dass man sich auch mit Vollzeitjob kein Abenteuer entgehen lassen muss