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Roadtrip in Island - eine Woche auf der Ringroad

Schon als Kind wollten meine Schwester und ich nach Island reisen um dort Islandponys zu reiten. In den letzten Jahren wurde aus dem Traum ein Ziel und dieses haben wir uns Mitte Juni erfüllt. An dieser Stelle nehme ich mir Fazit von Island in einer Woche vorweg. Eine Woche ist viel zu wenig um dieses vielseitige und faszinierende Land kennen zu lernen. Wir hatten mit 11 Tagen für die Ringstraße geplant, mussten dann aber aus beruflichen Gründen verkürzen. Da wir uns schon so darauf gefreut hatten, wollten wir es uns nicht nehmen lassen, dennoch die Ringstraße zu fahren. Auch wenn ich euch gleich zeige, dass man auch in einer Woche unglaublich viel Erleben kann, empfehle ich mindestens 10 Tage, besser 2 Wochen und mehr für Island einzuplanen.



Tag 1: Reykjavík

 

Nachdem bei unserem Flug so ziemlich alles schief ging (Flug gecancelt, 2h früher abgeflogen mit Zwischenstop, Flugverspätung, 25min Umstiegzeit,....) hatten wir auf einmal einen Lauf. Erst gab es ein Upgrade in die Business Class und später dann auch noch ein kleines Upgrade beim Auto. In Keflavík angekommen haben wir das verspätet eingetroffene Gepäck abgeholt, den Mietwagen geholt und sind direkt weiter zu unserem Hotel in Reykjavík. Nachdem wir festgestellt haben, dass die Jacken fehlen machten wir uns also erst einmal auf die Suche nach einem geöffneten Geschäft (gar nicht so einfach an Pfingstmontag) und deckten uns mit neuen Jacken ein.

 

Dann konnte die Erkundungstour in der Hauptstadt auch schon starten. Zu Fuß waren wir in wenigen Minuten in der Altstadt und auch schnell bei der Hallgrimskirka. Im netten Restaurant Iđnó am Reykjavíkurtjörn gönnten wir uns ein leckeres Abendessen, bevor wir den Abend am Hafen bei einem wunderschönen "Sonnenuntergang" ausklingen ließen. So kurz um Midsommar gibt es natürlich keinen richtigen Sonnenuntergang, aber trotzdem zaubert die tiefstehende Sonne eine wunderschöne Abendstimmung. Bis wir im Hotel ankamen, war es auch schon kurz vor Mitternacht und Zeit für uns schlafen zu gehen um am nächsten Tag gut erholt unseren Roadtrip zu starten.

Tag 2: Golden Circle: Von Reykjavik nach Hella

 

210 km mit einer reinen Fahrzeit von ca. 3h laut Google Maps.

 

Früh morgens starteten wir unseren Roadtrip auf dem wohl bekanntesten und meist besuchten Streckenabschnitt der Ringroad, dem Golden Circle. Auf einer Tagestour-Strecke gibt es hier gleich 3 spektakuläre Highlights zu besuchen: Den Þingvellir-Nationalpark, das Geothermalgebiet Laugarvatn Fontana mit dem großen Geysir und den Wasserfall Gullfoss. Kein Wunder, das diese Tour bei fast jedem Island-Reisenden angefahren wird. 

 

Nachdem wir unterwegs schon zweimal angehalten haben um die Landschaft zu genießen, legten wir den ersten richtigen Stopp am Þingvellir-Nationalpark ein. Der Nationalpart umfasst ein Gebiet mit tektonischer Aktivität, da hier die erusasische und amerikanische Kontinentalplatte aufeinandertreffen, bzw. von einerander weg driften. Unser Highlight hier ist die Silfra-Spalte, eben diese Spalte, die sich zwischen den Kontinentalplatten gebildet hat (bzw. zwischen der amerikanischen Kontinentalplatte und dem Niemandsland). Nach einem gemütlichen Picknick am See machten wir uns auf den Weg, den schönen Nationalpark zu erwandern. Neben atemberaubenden Game-of-Thrones Schauplätzen und traumhaften Aussichten faszinierte mich vor allem das unglaublich klare Wasser in der Silfra-Spalte. Spontan habe ich mich dann dazu entschlossen, in der Spalte Schnorcheln zu gehen (Tauchen war leider nicht möglich, da ich keinen Trockentauchanzug-Schein habe). Das Schnorcheln im 2-4°C kalten Gletscherwasser war unglaublich, die Sichtweite lag bei ca. 120m. Sowas habe ich noch nie erlebt und war absolut geflasht. Alles zu diesem Erlebnis könnt ihr hier lesen.

 

Nach dem Schnorcheln war es auch schon 16 Uhr, weshalb wir uns schnell auf den Weg zum nächsten Highlight, dem Geothermalgebiet Laugarvatn Fontana machten. Hier waren wir überrschaft, wie wenig los war (verhältnismäßig). Das lag wohl tatsächlich an der fortgeschrittenen Uhrzeit. In Laugarvatn hatten wir zum ersten mal das Gefühl, dass Island nicht von dieser Welt ist (das hatten wir später noch ganz oft). Da fließt einfach 80-100°C warmes Wasser in den Flüssen. KLeine Teiche sprudlen vor kochendem Wasser und alle 5-10 Minuten bricht der Geysir Stokkur aus mit einer kraftvollen Fontäne von bis zu 30m Höhe. Einfach unglaublich! An den Schwefelgeruch in der Luft konnten wir uns schnell gewöhnen und dieses Naturschauspiel in vollen Zügen genießen.

 

Nur eine kurze Fahrtzeit vom Geothermalgebiet entfernt erreichten wir den spektakulären Gullfoss. Einen Wasserfall in dieser Größe und mit dieser Kraft habe ich seit den Niagara-Fällen nie wieder gesehen. Das war echt gigantisch. Auf den Bildern kommt diese Kraft leider kaum zum Ausdruck. Besonders schön am Gullfoss fand ich die vielen Regenbogen. Zum Teil gab es 3 Regenbogen gleichzeitig, da hätte es sich bestimmt gelohnt auf Goldsuche zu gehen.

 

Völlig fasziniert und sprachlos von dem Erlebten erreichten wir dann erst um 21 Uhr unsere Unterkunft in Hella. Hier hatten wir ein Zimmer auf einem Pferdehof gebucht und konnten von unserem Zimmer sogar die Vulkane Hekla und Eyjafjallajökull sehen. Nach dem Abendessen besuchten wir noch die Ponys und fielen dann völlig erschöpft ins Bett. Schlafen war allerdings schwierig die ersten Tage, da der Körper bei Tageslicht gefühlt nicht Schlafen wollte.

Tag 3: Südisland - Von Hella nach Höfn

 

380 km mit einer reinen Fahrzeit von ca. 4h45 laut Google Maps.

 

Unser Südisland-Tag war absolut verrückt. Was wir an diesem einen Tag erlebt haben, reicht eigentlich für 1 ganze Woche Urlaub. 3 Tage würde ich hier in Zukunft mindestens einplanen, da es so unglaublich viel zu entdecken gibt. Damit wir auch wirklich abends in Höfn ankamen, haben wir uns auf Zwischenstopps direkt an der Ringroad beschränkt, sodass wir die Fahrzeit nicht noch weiter ausdehnen mussten.

 

Zuerst starteten wir mit 2 spektakulären Wasserfällen. Beim Seljalandfoss konnten wir zum ersten Mal unsere Regenjacken auspacken, denn um den Wasserfall richtig zu erleben führt kein Weg daran vorbei, richtig nass zu werden. Zum Glück haben wir unsere Regenjacken tatsächlich nur an den Wasserfällen benötigt, das kommt in Island wohl auch nicht zu häufig vor. Der Seljalandfoss wirkt auf den ersten Blick eher unspektakulär, die Besonderheit wird erst beim näheren Betrachten klar: man kann hinter dem Wasserfall hindurch wandern. Hinter dem Wasserfall zu stehen ist ein unglaubliches Gefühl und hat den Seljalandfoss fast zu meinem Lieblingswasserfall in Island gemacht. Nur eine kurze Fahrt weiter erreichten wir den Skógafoss. Der Besucheransturm war riesig und schon von Weitem konnten wir erahnen warum. Hier fallen unglaubliche Wassermengen herab ins Tal. Dank einer leicht wackeligen Treppenkonstruktion kann man den Wasserfall auch von Oben betrachten. Das kann ich absolut empfehlen, die Aussicht ist super und es gibt die Möglichkeit ein wenig zu wandern. 

 

Zur Mittagszeit erreichten wir das gemütliche Städtchen Vík y Myrdal. Leider mussten wir dort feststellen, dass wir unsere Versorgungstüte in Hella vergessen hatten mit unserem Tagesproviant sowie unseren Reiseführern. Super schade, aber zurückfahren war nicht mehr möglich. Wir deckten uns also in einem Supermarkt mit neuem Proviant ein und machten uns auf den Weg zum wunderschönen Black Beach zur Mittagspause. Die Aussicht war genial und wir waren fast alleine dort. Das hat uns tatsächlich gewundert, da Vík ein beliebtes Reiseziel ist und der Black Beach Reynisfjara das vermeintliche Highlight. Nach einer kurzen Recherche stellte sich dann heraus, dass wir am falschen Black Beach gelandet sind. Wir haben unseren Black Beach voll genossen und hatten eine super Zeit dort, haben dann aber trotzdem beschlossen wieder zurück zu fahren um den "richtigen" Black Beach auch noch zu sehen. In Reynisfjara war dann wie vermutet super viel los, was bei dieser Landschaft auch echt nicht verwundert. Besonders die Basaltsäulen habe mich beeindruckt. Hier war es auch unglaublich windig, das war echt nicht normal. Wir haben die Aussicht eine Weile genossen und lustige Fotos mit verwehten Haaren gemacht, bevor unser Roadtrip dann auch schon wieder weiter gehen musste. Bei einem nächsten Islandbesuch würde ich mindestens 1 Nacht in Vík y Myrdal verbringen.

 

Die Landschaft während wir unterwegs sind ist unglaublich und wechselt ständig. Teilweise fahren wir kilometerlang an wunderschönen Lupinenfeldern entlang, dann wird es auf einmal karg und wir sehen Moos soweit das Auge reicht. Ein paar Kilometer weiter wird die Landschaft dann so karg, dass nicht einmal mehr Moos wächst. Zu unserer Linken begleiten uns den ganzen Tag gletscherbedeckte Berge. Nicht nur einmal fragen wir uns, auf welchem Planeten wir hier wohl gelandet sind. 

 

Am Fjallsárlón, einem schönen Gletschersee machen wir eine kurze Pause und bestaunen die herumtreibenden Eisschollen. Das gibt uns schon einen Vorgeschmack auf unser nächstes Ziel, den Jökulsárlón, einen noch größeren Gletschersee. Hier hatten wir eine recht touristische Tour mit einem Amphibienfahrzeug gebucht. Die Fahrt war schön, denn es ging ganz nah an die Eisberge heran und unser Guide war super cool drauf. Mein Highlight waren die Seehunde, die immer wieder neben unserem Boot aufgetaucht sind. Nach der Fahrt auf dem Jökulsárlón machten wir uns auf den Weg an den Diamond Beach an der gegenüberliegenden Straßenseite. Als erstes sahen wir die Seehundekolonie die es sich auf einer kleinen Insel bequem machte. Als absoluter Tierliebhaber sind solche Tierbegegnungen immer das Größte für mich. Aber auch der Diomand Beach hat absolut nicht enttäuscht. Am schwarzen Strand liegen Einklötze in allen Größen und Formen. Wenn die Sonne darauf strahlt glänzen diese wie Diamanten. Obwohl es bei unserem Besuch recht bewölkt war, waren die Diamanten spektakulär anzusehen.

 

Wir hatten noch eine gute Stunde Fahrt vor uns und langsam neigte sich unser Tank dem Ende zu. Tatsächlich gab es bis Höfn keine einzige Tankstelle mehr. Wir haben es schon deutlich auf Reserve nach Höfn geschafft, aber kamen dazwischen ganz schön ins Schwitzen. In Island sollte man Tanken, wenn es eine Möglichkeit dazu gibt, auch wenn noch genug Sprit im Tank ist. Es war schon deutlich nach 21 Uhr als wir im Hotel ankamen, sodass wir uns dort noch etwas zu essen gönnten und dann auch drin blieben. Der Tag war wunderschön mit so vielen Erlebnissen, da haben wir die Ruhe zum Verarbeiten absolut gebraucht.

4. Tag Ostfjorde - von Höfn nach Seyðisfjörður

 

280 km mit einer reinen Fahrzeit von ca. 4h laut Google Maps.

 

Nach einem üppigen Hotelfrühstück (als Selbstversorger war das auch echt einmal schön) machten wir uns auf den Weg nach Hoffell und starteten den Tag mit einer kleinen Auszeit in den 42°C heißen Hottubs mit Berg und Gletschersicht. Das ist ein kleiner Geheimtipp, denn wir waren tatsächlich die einzigen Besucher und erst als wir weiter fuhren, kamen zwei weitere Autos angefahren. Die Auszeit hat sich gelohnt und wir waren danach richtig schön aufgewärmt.

 

Nachdem der Vortag so vollgepackt war, hatten wir tatsächlich sehr entspannt geplant und hatten im Prinzip gar nichts vor, außer Abends in Seyðisfjörður anzukommen. So ergab sich ein schöner Roadtrip Tag mit vielen kleinen, spontanen Stopps. Nach einem Besuch im Fischerdorf Höfn legten wir einen Abstecher bei einer Islandpferde-Herde in absoluter Traumkulisse ein. Dort verbachten wir dann auch ein wenig mehr Zeit als gedacht, aber es war auch einfach schön, wie die Jungtiere neugierig zu uns kamen und sich ganz vorsichtig an und herantasteten, bevor sie die ausgiebigen Streicheleinheiten genossen.

 

Auf der Weiterfahrt entlang der Fjorde hielten wir noch an einem spektakulären Wasserfall an, den noch nicht einmal Google Maps kannte. Unser Highlight war der Stopp bei einer wilden Rentier-Herde. Wie cool ist das denn? Nachmtitags entdeckten wir dann gleich noch eine Herde und konnten unser Glück kaum glauben. 

 

Zum Mittag waren wir in Djúpívogur, einem kleinen aber netten Fischerdort. Der Hafen war gezäumt von einer "Eier-Ausstellung". Das ist auch mal was anderes, war aber ganz nett anzusehen. Da es "etwas" stürmte, blieben wir im Auto zum Essen und haben dabei die Sicht auf den Fjord und den Leuchtturm genossen. Bevor wir Djúpívogur verlassen konnten, mussten wir am Spielplatz anhalten und das Hüpfkissen ausgiebig testen. Das hat echt mega Spaß gemacht und wir konnten uns nur mit Mühe und Not wieder davon losreißen.

 

Die Weiterfahrt nach Egilsstadir war richtig schön, aber auch anstrengend, da die Strecke endlos lange erschien. Zwischendurch war die Straße schlecht und wir hatten kurz Bedenken, ob wir das mit unserem Auto überhaupt schaffen würden. Zum Glück ging es nach einigen Kilometern wieder und die Bedenken waren völlig umsonst. Wir entschieden uns gegen einen Stopp in Egilsstadir und fuhren direkt weiter nach Seyðisfjörður. Diese Fahrt war recht abenteuerlich über einen Bergpass. Die Temperaturen sind auf 4°C gefallen und die Wetterberichte meldeten Schneegefahr. Das braucht man ja, wenn man mit nem Kleinwagen untewegs ist. Ging aber alles gut und wir konnten den Schnee und das Panorama oben auf dem Pass genießen. Kurz vor Seyðisfjörður entdeckten wir dann noch den hübschen Gufufoss. Wenn es so einen Wasserfall bei uns geben würde, dann wäre das ein absolutes Highlight. In Island ist der Gufufoss kaum bekannt, da es noch so viel spektakuläre und größere Wasserfälle gib.

 

Abends im Hostel, mit Blick auf den Hafen und Fjord, haben wir dann gar nicht mehr so viel gemacht. Wir haben gekocht und dann fing es auch zu regnen an, sodass wir versucht haben, einmal früher Schlafen zu gehen. Zum Glück ging die Heizung irgendwann nachts an, da wir abends schon befürchtet hatten, in Seyðisfjörður zu erfrieren

Tag 5: Nordosten - von Seyðisfjörður nach Husavík

 

250 km mit einer reinen Fahrzeit von ca. 3h laut Google Maps.

 

Morgens war es immer noch etwas verregnet, sodass wir uns recht schnell auf den Weg machten und Seyðisfjörður hinter uns ließen. Zum Glück gab es keinen Neuschnee und so konnten wir den Bergpass ohne Probleme bewältigen. Die Sicht auf Egilsstadir war etwas getrübt, aber die konnten wir glücklicherweise schon am Vortag genießen. In Egilsstadir besorgten wir unseren Tagesproviant und tankten unser Auto bevor wir den Planeten wieder verließen. Die Landschaft erinnerte schon sehr schnell an den Mond: totales Ödland mit bizarren Felsformationen, kaum Vegetation und gefühlt keinem Leben. Mitten in dieser Landschaft erwarteten uns die ersten Highlights des Tages, die Wasserfälle Selfoss und Dettifoss.

 

Auch wenn wir unterwegs kaum Autos gesehen haben, war der Parkplatz recht voll, vor allem voll von Reisebussen. Wir entscheiden uns dann zuerst zum Selfoss zu wandern, da hier deutlich weniger Menschen unterwegs waren. Zunächst war die Wanderung recht einfach, wurde dann aber doch sehr abenteuerlich und über die Felsen zu kommen gestaltete sich zum Teil schwierig. Wir haben es geschafft und konnten eine tolle Sicht auf den Canyon und den Wasserfall genießen. Die Wanderung zum Dettifoss war dautlich einfacher und etnsprechend auch sehr viel stärker besucht. Der mächtigste Wasserfall Europas ist unglaublich kraftvoll. Die Wassermengen erschlagen einen fast. Um hier nah ran zu kommen,ist wasserfeste Kleidung ein Muss. 

 

Nach etwa einer weiteren Stunde Fahrt durch öde Mondlandschaft entdeckten wir auf einmal Rauch an einem Terrakotta-farbenen Berg. In Island wunderte uns sowieso nichts mehr und so waren wir sehr gespannt was uns wohl gleich erwarten würde. Nach einer kurzen Weiterfahrt erreichten wir einen Parkplatz und legten damit einen Stopp am Geothermalgebiet Hverir bei Mývatn. Dort kam uns ein unglaublicher Gestank entgegen und die unwirklichste Landschaft, die wir uns jemals hätten vorstellen können. Schwarzer blubbernder Schlamm, dampfende Felshügel und keine Spur von Leben. Wo waren wir hier nur gelandet? In Laugarvatn konnten wir uns schnell an den Schwefelgeruch gewöhnen, aber der Gestank in Hverir war nicht von dieser Welt und wir haben schon nach einer halben Stunde fluchtartig das Auto aufgesucht, da wir es nicht mehr aushalten konnten. Kurz vor Mývatn besuchten wir noch eine kleine Grotte. In Mývatn selber genehmigten wir uns ein recht später Mittagessen bevor wir uns dann auf die Weiterfahrt nach Húsavík machten.

 

In Húsavík hatten wir eine 3h Wale & Papageientaucher Beobachtungstour in der Skjálfandi Bay gebucht. Die Tourperatoren warnten uns noch vor, dass es kalt werden könnte (trotz der Overalls) und so gingen wir noch eben shoppen und deckten und mit dicken Mützen und Handschuhen ein. Unsere Islandsouvenirs (unsere Jacken hatten wir zuvor in Reykjavík gekauft) sind also alle sehr praktisch und werden im Winter sicherlich noch oft zum Einsatz kommen. Die Tour war genial, wir waren eine recht überschaubare Gruppe und hatten wieder einen sehr motivierten Guide, dem man die Liebe zum Ozean und den Wildtieren richtig angemerkt hat. Nach einer knappen Stunde erreichten wir Puffin-Island und konnten die riesige Papageitaucher-Kolonie beobachten. Wir fuhren mit einer ziemlich großen Entfernung an der Insel vorbei, sodass wir die niedlichen Tierchen nicht so richtig von Nahem sehen konnten, aber das fanden wir überhaupt nicht schlimm. Besser so, als die Vögel beim Nisten zu stören. Auch so haben wir unzählige Puffins gesehen. Nach einer weiteren halben Stunde entdeckten wir dann eine kleine Wasserfontäne, ca. 500m vom Boot entfernt. Eindeutig Wale! Das Kribbeln, das sich auf einmal am ganzen Körper bereit machte hatte ich noch nie zuvor erlebt. Ich war richtig aufgeregt, wie es scheint sollten wir Glück haben und die gigantischen Meeressäuger zu Gesicht bekommen. Und wir wurden nicht enttäuscht. Nach 20 weiteren Minuten kamen wir einem Buckelwal-Weibchen immer näher. Ganz gemütlich ist die Dame immer wieder aufgetaucht zum Aufblasen um mit einem eleganten Flossenschlag wieder abzutauchen. Ein einzigartiges Gänsehaut-Erlebnis. Eine ganze Weile bliebt der Wal in unserer Nähe und schien sich vom Boot nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Der Tag hätte fast nicht perfekter sein können Und trotzdem hatten wir soviel Glück, dass wir auf der Rückfahrt noch von einer Delfinschule überrascht wurden. Die Delfine schwammen am Bug unseres Schiffes und wir konnten diese aus max. 3m Entfernung beim Spielen beobachten. Ein Traum!

 

Die Nacht verbrachten wir wieder auf einem gemütlichen Pferdehof. Nach dem Abendessen beschlossen wir um kurz vor 10 Uhr, dass dieser perfekte Tag noch nicht zu Ende sein sollte und so packten wir unsere sieben Sachen und fuhren zum beeindruckenden Goðafoss um dort den Abend bei Midnightsun ausklingen zu lassen. Wir waren nicht die einzigen mit dieser Idee, hatten aber dennoch eine wundervolle Zeit an diesem schönen Wasserfall. Ich hätte es ja nicht für möglich gehalten, aber unsere Freude an Wasserfällen war noch immer vorhanden. Jeder ist für sich einzigartig und so konnten wir nie genug davon bekommen. Erst nach MItternacht machten wir uns dann wieder auf den Rückweg und besuchten noch das kleine Fohlen, das in der letzten Nacht zur Welt kam und jetzt schon mit seiner Mama in der Herde die Nacht im Freien verbrachte.

 

Tag 6: Norden - von Husavík nach Blönduós

 

220 km mit einer reinen Fahrzeit von ca. 2h45 laut Google Maps.

 

Direkt morgens wartete unser eigentlicher Grund, weshalb wir nach Island reisten, auf uns. Unsere Reittour auf Islandpferden. Endlich war der Tag gekommen, auf den wir seit unserer Kindheit warteten. Wir bekamen zwei hübsche Stuten zugeteilt und konnten uns erst einmal am Boden mit den Tieren vertraut machen. Außer uns war noch eine Familie aus Japan mit dabei sowie einem Mädchen aus Deutschland. Die Tour startete im Schritt und schon nach kurzer Zeit durften die Spezialgangart der Isländer ausprobieren, den Tölt. Was für ein Erlebnis! Wir ritten über Lavafelder, über Stock und Stein, durch Wasser, über Schafwiesen, vorbei am Vulkan, den schneebedeckten Bergen. Nach einer knappen Stunde wurde die Gruppe aufgeteilt in "schnell" und "gemütlich". Wir haben uns für die schnelle Gruppe entschieden und sind schon nach wenigen Minuten über Lavafelder galoppiert. Der Name war Programm und wir sind so viel galoppiert wie nur möglich. Die Ponys waren super und bis zum Schluss super motiviert und wollten immer weiter. Wir hatten unglaublich viel Spaß und den Ritt jede Sekunde in vollen Zügen genossen. Wenn es wieder einmal nach Island geht, dann geht es auf jeden Fall wieder aufs Pferd. 

 

Zum Mittag sind wir noch einmal nach Húsavík gefahren. Das Städtchen hat uns auch ganz besonders gefallen und bei einem nochmaligen Besuch würde ich dort mehr Zeit einplanen. Für unser Picknick fanden wir einen schönen Parkplatz mit Traumsicht auf den Hafen und die Bucht. Kurz überlegten wir, nochmal eine Walbeobachtungstour zu machen, da das Erlebnis vom Vortag so magisch war. Wir entschieden uns dann dagegen, da das Erlebnis für den Moment nicht besser hätte sein können. Da wir noch nicht genug von den faszinierenden Meeressäugern hatten, machten wir noch einen Abstecher im Walmuseum. Das hat sich auch mehr als gelohnt und wir konnten einiges über unsere neuen Lieblingstiere Lernen. 

 

Dann hieß es auch schon Abschied nehmen, da wir noch ein ganzes Stück Fahrt durch den Norden und damit die Berge vor uns hatten. In Akureyri, der zweitgrößten Stadt Islands, legten wir noch einen Stopp ein, bevor wir uns endgültig auf den Weg machten. Die Fahrt nach Blönduós war super schön. Die Bergpässe waren sehr gut ausgebaut und wir kamen ohne Probleme voran. Vielerorts waren wir ganz alleine unterwegs, wie schon im Osten.

 

Gegen Abend erreichten wir dann unser Domizil, direkt am Meer, mit Meerblick zu beiden Seiten von unserem Zimmer aus. Die Lage war so gut, dass wir uns nicht so sehr an dem eher heruntergekommen Hotel störten. Leider hatten in Blönduós alle Läden bereits geschlossen, sodass wir kein Frühstücksproviant und kein Bierchen für den Abend mehr kaufen konnten. Immerhin gab es noch Lightbeer an der Tankstelle. Wir hatten zum Glück noch Nudeln dabei und konnten uns somit ein Abendessen kochen, bevor wir den Abend am Meer ausklingen ließen. Dieser Abend war echt traumhaft. Wir saßen ganz alleine auf den Klippen, tranken unser Bierchen und freuten uns über diese unvergesslichen Erlebnisse der letzten Tage. Als wir dachten, dass es nicht mehr besser werden könnte, tauchten plötzlich Seehunde vor uns auf. Da saßen wir also und konnten unser Glück kaum fassen. Erst nach mehreren Stunden merkten wir, dass wir komplett duchgefroren waren mittlerweile, wshalb wir uns dann um Mitternacht wieder auf den Weg ins Bett machten.

Tag 7: Nordosten - von Blönduós nach Reykjavík

 

370 km mit einer reinen Fahrzeit von ca. 4h45 laut Google Maps.

 

Da wir abends kein Frühstück mehr kaufen konnten, beschlossen wir im benachbarten Hotel zu Frühstücken. Für unseren letzten Tag in Island hatten wir tatsächlich gar keine Pläne und so hat der Hotelbesitzer kurzerhand Zettel und Stift gezückt und uns eine Art Schatzkarte aufgemalt mit Orten, die wir auf unserem Weg nach Keflavík unbedingt besuchen sollten. Wir mussten nicht lange überlegen und haben uns direkt dafür entschieden, diese Orte alle abzuklappern, was sich als super schön herausstellte. Die Einheimischen haben doch immer die besten Ideen und so konnten wir den ein oder anderen Geheimtipp kennen lernen.

 

Unser ester Halt war der Vulkan Grábrók. Hier gibt es einen netten Wanderweg, der einmal um den moosbedeckten Krater herum führte. Die Aussicht vom Vulkan hat auch echt etwas hergemacht. Als nächsten stoppten wir beim Wasserfall Glanni. Dieser verzaubert mit unglaublich blauem Wasser. Nur eine kleine Wanderung entfernt befindet sich der Paradise Point, ein kleiner Ort, der an einen Disneyfilm erinnern soll. Hier wurde uns nicht zuviel versprochen. Wir entdeckten einen kleine See mit klarem, türkisfarnebem Wasser umgeben von einer schönen Blumenwiesen. Außer uns waren nur ein paar Isländer anwesend.

 

Für die Weiterfahrt mussten wir die Ringroad verlassen. Der nächste Stopp war das Geothermalgebiet Deildartunguhver. Wir hatten schon befürchtet, dass uns wieder eine Orc-Geburtsstätte à la Mývatn Hver erwartet, aber dem war nicht so. Wir erreichten einen kleinen See und Fluss, in dem kochend heißes Wasser fließt. Das ist so verrückt, das kann man nur schwer glauben wenn man das sieht. Hier gibt es anscheinend die besten Tomaten Islands und ein kleines Thermalbad, das mit Sicherheit nicht so überlaufen ist, wie die bekannteren Bäder im Süden. Weiter ging es zum Barnafoss, einem ganz besonderen Wasserfall. Dieser rauscht nicht in die Tiefe wie die meisten anderen Wasserfälle, sondern fließt durch eine Schlucht mit mächtigen Stromschnellen. Auch der Hraunafoss nebenan macht gut etwas her.

 

Unser nächster Stopp war Borgarnes. Auch heir folgten wir dem Tipp vom Hotelbesitzer und machten einen Abstecher ins Café Englendavík. Das war tatsächlich unser einziger Café-Besuch im ganzen Urlaub. Das hat sich aber total gelohnt, denn von dort aus gibt es eine schöne Sicht aufs Meer. Weiter ging es dann nach Akranes. Dort wurden kürzlich Hot Tubs direkt am Meer errichtet, die kostenlos benutzt werden können. Das hörte sich toll an und war wohl auch eine Art Geheimtipp, denn dort sind wir fast nur Isländern begegnet. Eine Aufwärmung im 36°C heißen Wasser schreien ja fast nach einem Sprung ins 14°C kalte Wasser, oder? Ich hätte ja nie geglaubt, dass ich in Island im Meer baden würde, aber ich habe es tatsächlich gemacht und habe den Hot Tub danach umso mehr genossen.

 

Mittlerweile war es schon recht spät, sodass wir ohne weitere Abstecher direkt nach Reykjavík gefahren sind. An unserem letzten Abend wollten wir uns noch ein gutes Essen gönnen und wurden dann auch schnell fündig und absolut nicht enttäuscht. Unser Domizil war in Keflavík, ganz in der Nähe des Flughafens. Auf dem Weg dorthin sind wir dann doch noch zur Blue Lagoon gefahren um das milchig-blaue Wasser zumindest von außerhalb des Thermalbades zu sehen. Die Farbe ist wirklich unglaublich, aber ob ich dort unbedingt drin Baden muss, kann ich auch nicht genau sagen.

 

Erst kurz vor Mitternacht checkten wir in unserer Unterkunft ein. Die Nacht war also sehr kurz, da wir unseren Mietwagen bereits um halb 6 am nächsten morgen zurück bringen mussten.

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Kommentare: 2
  • #1

    Miri (Sonntag, 04 August 2019 17:41)

    Total schön, unsere wundervolle Reise noch einmal durch Bilder und Berichte zu erleben :)

  • #2

    Steffi (Sonntag, 04 August 2019 17:55)

    Ohja, der Blogbeitrag hat so viel Spaß gemacht. Die Reise war super :)

Hier schreibe ich, Steffi, von meinen kleinen und größeren Reisen in der Heimat und rund um die Welt. Ich habe nie meinen Job gekündigt um die Welt zu bereisen, aber ich nutze jede Gelegenheit unseren schönen Planeten zu erkunden. Auf travel and other stories zeige ich euch, dass man sich auch mit Vollzeitjob kein Abenteuer entgehen lassen muss