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Backpacken in der Schweiz – 2 Tage in Bern

Die Schweiz hatte ich bisher gar nicht als Backpacker Destination auf dem Schirm. Bei meinem Kurztrip in die Hauptstadt Bern wurde ich schnell überzeugt, dass sich unser Nachbarland sehr wohl zum Backpacken eignet. Natürlich kann man überall mit dem Rucksack Reisen, aber Backpacken ist für mich mehr ein Lifestyle als eine Art der Gepäckaufbewahrung. Backpacken bedeutet für mich low-budget und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein, in Hostels unterzukommen, neue Leute kennen lernen, weniger Planen und mehr Spontanität. Warum also nicht auch einmal Backpacken in der Schweiz? Für mein Treffen mit Freunden aus Kanada letzte Woche, habe ich dies direkt ausprobiert. Mit dem Rucksack ging es nach Bern und Zermatt. Und ich muss sagen – kann man absolut machen. Bern bietet tatsächlich ziemlich viel für Backpacker! Jeder, der in der Stadt Bern übernachtet, bekommt das kostenlose Bern Ticket für den öffentlichen Nahverkehr zur Verfügung gestellt.

 

 



Mit dem Zug ging es in die Schweizer Hauptstadt, mit einem Europa Spezial Ticket und Bahncard 25 für nicht einmal 35 € - hin und zurück. Neben dem unschlagbaren Preis, der Pünktlichkeit, dem Streckennetz, das sogar Alpendörfer abgedeckt, liebe ich Bahnfahren in der Schweiz ganz besonders wegen der tollen Aussicht. Die Bahnstrecke von Schaffhausen nach Zürich geht direkt am Rheinfall vorbei  und so kommt schon bei der Anreise Urlaubsstimmung auf. Vom Bahnhof in Bern waren es gerade einmal 10 Minuten zu Fuß zu meinem Hostel, dem Backpacker Hotel Glocke. Nach dem Einchecken wollte ich mich direkt auf den Weg machen die Stadt zu erkunden, aber zog dann ein Gewitter auf. Beim Warten auf trockenes Wetter bin ich in der Colonial Bar (ww.colonialbar.ch) direkt neben dem Hostel gelandet, eine hippe Bar mit kleiner aber feiner Karte. Hier bin ich auf den Geschmack von Cold Brew Latte gekommen. Zum Glück hat der Regen nicht lange angehalten und ich konnte nach einer kleinen Pause auch schon los.

Altstadt von Bern

Die Berner Altstadt lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden, auch wenn der Nahverkehr sehr gut ausgebaut ist. Die Innerstädtischen Sehenswürdigkeiten liegen recht nahe bei einander und die Kopfsteingepflasterten Straßen mit vielen Geschäften und kaum Autos laden absolut zum Flanieren ein. Vom Bahnhof zum Schweizer Bundeshaus sind es gerade einmal 5 Minuten zu Fuß. Am Bundeshaus lohnt sich ganz besonders auch der Besuch der Bundesterrasse. Die Terrasse des Bundestages ist öffentlich zugänglich und bietet eine tolle Aussicht auf die smaragdgrüne Aare mit den Alpen im Hintergrund. Einige Minuten später erreicht ihr schon die Zytglogge, das Wahrzeichen von Bern. Der Zeitglockenturm stammt aus dem Mittelalter und begeistert Touristen mit dem Figurenspiel kurz vor der vollen Stunde. Ter Zeitglockenturm kann täglich um 14:30 Uhr bei einer Führung besichtigt werden. Leider konnte ich das Figurenspiel aufgrund von Renovierungsarbeiten nicht selbst erleben. In unmittelbarer Nähe der Zytglogge steht der Chindlifresserbrunnen. Der wohl bekannteste der farbenfrohen Berner Stadtbrunnen ist ziemlich skurril mit der makabren Kinder fressenden Statue oben drauf. Nicht weit davon entfernt befindet sich das Haus indem Albert Einstein von 1903-1905 gelebt hat. Das Einstein Haus wurde zu einem Museum umfunktioniert, in dem das Leben und Wirken Albert Einsteins vorgestellt wird. Auf der Parallelstraße befindet sich das imposante Berner Münster, aus dem Jahre 1421. Wie wäre es mit einem Besuch der Münsterplattform? Auch hier könnt ihr eine tolle Sicht auf die Aare genießen.

Der Bärengraben

Den Bärengraben erreicht ihr nur wenige Minuten von der Altstadt entfernt über die Nydeggbrücke auf der anderen Seite der Aare. Die Bärenhaltung in Bern hat eine lange Tradition, die bis ins 15. Jahrhundert zurück reicht. Zunächst wurden die Bären tatsächlich in Gräben gehalten und erst 2009 wurde die Bärenhaltung modernisiert und von den Gräben auf ein weitläufiges Außengehege mit Wasserzugang ausgeweitet. Heute leben drei ausgewachsene Braunbären in Bern: Björk, Finn und deren Tochter Ursina. Bei meinem Besuch wurden die Bären gefüttert – mit einer ausgewachsenen Kuh mit Haut und Haar. Bilder von diesem Anblick erspare ich euch. Dennoch fand ich es schön zu sehen, dass die Bären möglichst authentisch gefüttert werden und eben keine mundgerechten Fleischstücke zum fressen bekommen. Aber ob die Bären so glücklich sind, mag ich zu bezweifeln.

Sonnenuntergang am Rosengarten

Nach einem kleinen Spaziergang von der Nydeggbrücke nach oben, erreicht man den Rosengarten. Der Garten ist schön angelegt und beherbergt ein wahres Blumenmeer. Aber die bunten Blumen sind nicht der einzige Grund, weshalb der Rosengarten bei keinem Bern Besuch fehlen darf. Der Rosengarten bietet eine wundervolle Aussicht auf die Berner Altstadt und die Aareschleife. Und es kommt noch besser: bei klarem Wetter zeigen sich die Alpen! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe, als ich diese erblickt habe, vor allem nachdem es zuvor so gewittert hat. Der Rosegarten ist eine super Location für einen Sundowner. Neben einem Restaurant mit großer Fensterfront und Terrasse, bietet sich die Mauer für ein Picknick an. Bei meinem Besuch am Pfingstsamstag bin ich in den Genuss des Vollgeläutes des Berner Münsters gekommen. Dabei werden 15 Minuten lang alle 7 Glocken des Münsters gleichzeitig geläutet, was für eine ganz besondere Stimmung sorgt.

 

 

Als Blogger-Neuling, habe ich leider meine Kamera im Hostel vergessen und kann daher nur ein paar Handybilder zeigen.  

Ausflug nach Gurten

In nur 10 Minuten fährt die Tram 9 vom Berner Hauptbahnhof nach Wabern, wo sich die Talstation der Gurtenbahn befindet. Von dort kommt man im 15-minuten Takt mit der Bahn auf den Gurten, den Berner Hausberg auf 864 m. Der Gurten ist ein beliebtes Ausflugsziel für viele Berner und bietet neben einer super Sicht auf die Stadt, das Berner Umland und die Alpen auch eine ganze Reihe an Freizeitaktivitäten für die ganze Familie. Bei Mountainbikern ist der Cross-Trail sehr beliebt, Familien freuen sich über den großen Abenteuerspielplatz und mein Highlight war die Sommerrodelbahn. Die Fahrt mit der Gurten Bahn ist übrigens im Bern Ticket integriert, was diesen Ausflug zu einem sehr preiswerten Erlebnis macht. Nach meiner Ankunft auf dem Gurten, habe ich zunächst einen kleinen Spaziergang auf dem Hauptpfad gemacht. Bei diesem Spaziergang dauert es nicht lange, bis sich die Alpen zeigen. Immer wieder ein schöner Anblick, oder? Weiter ging mein Spaziergang zum Aussichtsturm. Dieser bietet eine schöne 360° Sicht und kann kostenfrei bestiegen werden. Nach dem Spaziergang habe ich noch einen Kaffee im Gurtner’s getrunken – ein tolles Restaurant mit einer wunderbaren Terrasse. Im Gurtner’s gibt es Sonntags einen Frühstücksbrunch, den würde ich mir bei meinem nächsten Besuch nicht entgehen lassen. Nach der kleinen Stärkung habe ich mich auf den Weg zur Sommerrodelbahn gemacht und ich muss sagen: Die Fahrt ist toll! Ich hatte unglaublich viel Spaß dabei, auch wenn die recht kurze Fahrt für 4,50 CHF echt kein Schnäppchen war. Die Fahrt würde ich trotzdem empfehlen, wann kann man schon mal mit Alpenpanorama rodeln? Nach dem Rodeln war mein kleiner Ausflug zum Gurten auch schon fast zu Ende, da ich noch mit Freunden in Bern verabredet war.

 

Bern für Backpacker

Was wäre ein Backpacking Trip ohne ein cooles Backpacker Hostel? Das Backpacker Hostel Glocke bietet alles, was ich von einem Hostel erwarte:  super Lage, coole Leute, saubere Schlaf- und Badezimmer, einen gemütlichen Gemeinschaftsraum und eine voll ausgestattete Küche. In der Küche steht außerdem ein Kaffeeautomat  bereit, Pasta und Reis gibt es gratis. Es gibt diverse gratis Karten und Tipps zu Ausflugzielen, das finde ich immer super hilfreich und nehme das Angebot gerne an. Den Ausflug nach Gurten habe ich auch spontan gemacht, nachdem ich mir eine selbst gestaltete Karte mit Tagesausflugtipps angeschaut habe. Wenn ihr richtig sparen möchtet, könnt ihr natürlich selbst in der Küche kochen.

 

Zum Abendessen wollte ich nicht selbst kochen und habe durch Zufall das „Rice up!“ entdeckt. Da ich super begeistert von dem Konzept bin, möchte ich das gerne mit euch teilen. Bei Rice up! bekommt ihr leckere asiatische Bowls, die ganz individuell aus frischen Zutaten zusammengestellt werden können. Abgesehen davon, dass die Bowl richtig lecker war (ich hatte roten Reis, eingelegten Tofu, diverses Gemüse, Minze, Koriander, gehackte Erdnüsse und Tahini Soße), ist die Verpackung fast komplett aus biologisch-abbaubaren Materialien. Ganz klare Empfehlung, falls ihr in Bern oder Zürich seid.

 

 

Seid ihr schon einmal in der Schweiz Backpacken gewesen?

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Kommentare: 2
  • #1

    Nani (Dienstag, 12 Juni 2018 09:28)

    Toller umfangreicher Artikel, macht Lust Bern zu entdecken. �

  • #2

    edelmama (Donnerstag, 04 Oktober 2018 23:39)

    Ich möchte auch mal dahin. Du hast mir Lust auf Bern gemacht. Bin schon öfters durchgefahren auf dem Weg nach Frankreich, aber hab die Stadt nie wirklich gesehen

Hier schreibe ich, Steffi, von meinen kleinen und größeren Reisen in der Heimat und rund um die Welt. Ich habe nie meinen Job gekündigt um die Welt zu bereisen, aber ich nutze jede Gelegenheit unseren schönen Planeten zu erkunden. Auf travel and other stories zeige ich euch, dass man sich auch mit Vollzeitjob kein Abenteuer entgehen lassen muss